Reisequipment: In 10 Minuten Reisefertig

Koffer packen in 10 Minuten – wie man zum echten Profi wird

Viele Urlaubsreisende verbringen Stunden vor dem leeren Koffer und überlegen sich was sie für den Urlaub einpacken sollen, und wie es am besten eingepackt wird: Soll die Kleidung gerollt werden? Kann man denn überhaupt in nur 10 Minuten einen Koffer packen? Sollte man nicht eher am Abend vorher damit beginnen die Koffer zu packen als kurz vor dem Weg zum Flughafen? Kann in 10 Minuten nur  das Handgepäck oder auch für längere Urlaubsreisen gepackt werden?

Vielreisende und Vielflieger haben zu wenig Zeit um pro Reise lang zu überlegen was man mitnehmen sollte, dafür legt man sich ein System zurecht welches beim narrensicheren Koffer packen helfen soll.  

1. Das McDonalds Prinzip im Koffer

In McDonalds Filialen lässt sich folgendes beobachten: Es herrscht eine strikte Arbeitsteilung zwischen der Küche (im hinteren Bereich des McDonalds) sowie der Theke und Essensausgabe im vorderen Teil. Hinten wird der Burger gebraten und verpackt, vorne nur noch in Tüten verpackt und dem Kunden überreicht. Ähnlich große Burger wie Hamburger und Cheeseburger unterscheiden sich nur in der Farbe der Verpackung. Ähnlich funktioniert das indische Prinzip der Essenszustellung, der Dabbawala. Auch hier sind die Essenspakete farblich markiert, so dass die Zustellung der richtigen Gerichte anhand von Farbcodes erfolgt.

Was kann man davon lernen?

Beim Packen des Koffers sollte möglichst standardisiert vorgegangen werden. Häufig werden Kleidungsstücke unstrukturiert in den Koffer gelegt, und später ist völlig unklar was und in welcher Menge im Koffer drin ist. Spätestens hier wird der Koffer wieder ausgepackt und das Spiel beginnt von vorne. Standardisiertes Vorgehen heißt dass verschiedene Gruppen von Packgegenständen gebildet werden, und diese dann der Reihe nach in den Koffer gelegt werden. Idealerweise sind die einzelnen Kleidungsstücke in Packtaschen oder Packnetzen verstaut, welche durch Ihre Farbe bereits den Inhalt beschreiben – ähnlich der Hamburger Verpackung in einem McDonalds. Oder frei nach Marie Kondo „every thing needs a space…“?

Ich packe meinen Koffer und nehme mit….

Nur das Notwendigste! Ich nehme immer nur das Notwendigste mit und kaufe zur Not den Rest vor Ort. In den meisten Ländern sind z.B. Kleidungsstücke sowieso günstiger als bei uns. 

2. Struktur im Koffer schaffen durch Nutzung von Packtaschen und standardisiertem Inhalt

Zum effizienten Koffer packen werden wird zuerst definiert welche Kleidungsstücke bei fünf Tagen Geschäftsreise oder fünf Tagen Urlaubsreise benötigt werden. Die Kleidungsstücke werden dann wie folgt gepackt (Beispiel der Packliste):

      • Packtasche grau: Unterwäsche 5x
      • Packtasche schwarz: Strümpfe 5x
      • Packtasche blau: Polos-Shirts 5x
      • Packtasche blau Netz: Hosen 3x
      • Packtasche braun: Schuhe 1
      • Packnetz schwarz: Elektronik

Soll jetzt für eine Reisedauer von fünf, 8 oder 10 Tagen gepackt werden gestaltet sich der Packvorgang einfach: Für fünf Tage Reisedauer wird die Packliste einmal abgearbeitet, für 8 oder 10 Tage Reisedauer wird die Packliste zweimal abgearbeitet. Bei den 10 Tagen hat man natürlich zu viel dabei, der Aufwand auszupacken lohnt sich aber nicht. 

 

3. Vorteile des narrensicheren Packsystems

Der Hauptvorteil ist dass man innerhalb von 10 Minuten den gesamten Koffer z.B. für eine kurze Geschäftsreise gepackt hat. Doch das systematische Packen bringt weitere Vorteile mit sich:

      • Der Inhalt jeder Tasche ist sofort eindeutig (z.B. blau=5 x Polo shirts)
      • Die Summe der eingepackten Gegenstände ist auch sofort klar, da sich diese durch die Menge der Packtaschen im Koffer ergibt
      • Man kann kaum etwas vergessen, da es sofort auffällt wenn eine Farbe im Koffer fehlt (z.B. kein schwarz = keine Strümpfe)
      • Die Kleidung ist in den Taschen nochmals geschützt, z.B. teilweiser Schutz vor Ausläufen von Flüssigkeiten (selten) oder Schutz vor Witterung auf dem Flughafen bei der Kofferverladung auf dem Flugfeld (oft)
      • Der Koffer kann in fast beliebiger Reihenfolge gepackt werden, da die Packtaschen aufgrund der große (von kleinen Packtaschen für Socken bis zu großen Packtaschen für Schuhe oder Jacken) schnell verschoben werden können
      • Der Koffer kann vor Ort punktuell entpackt werden. Es ist keine suchen in großen Koffern notwendig („wo waren nochmals die Polo shirts?“, sondern es wird gezielt die richtige Farbe der Packtasche aus dem Koffer gezogen
      • Im Internet beworbene Spezialtricks wie „Schuhe mit Socken auspolstern“ sind aufgrund der Kompression der Packtaschen und des Mehrinhaltes des Koffers nicht notwendig
4. Verstauen von Elektronik im Koffer

Auch bei Elektronik gilt dass nur das Notwendigste mitgenommen werden sollte. Grundsätzlich empfiehlt es sich auch hier eine eigene Tasche oder Hülle zu verwenden, und z.B. Ladekabel (z.B. Handynetzteil) doppelt zu kaufen und immer im Koffer zu lassen. Vielflieger bzw. häufige Geschäftsreisende haben oftmals auch eine zweite elektrische Zahnbürste welche sich ausschliesslich im Gepäck befindet.

In meinem Gepäck befindet sich eine schwarze Netztasche von Muji, in welcher ein Rasierapparat inkl. Netzteil, eine elektrische Zahnbürste inkl. Netzteil sowie zwei Handyladekabel sind. Beim Packen des Koffers lege ich somit nur die Tasche in den Koffer, ohne mir Gedanken zu machen ob die richtigen Geräte dabei sind. 

5. Vorsicht bei Elektronik im  Aufgabegepäck

In vielen Ländern und bei verschiedenen Airlines sind Battery-Packs im Aufgabegepäck verboten. In China muss man vor Abflug unterschreiben keine Battery-Packs im Koffer eingepackt zu haben, sollten sich dennoch welche im Koffer befinden werden diese vernichtet. Ist mir leider selbst passiert, in Deutschland fand sich dann ein Hinweis auf die Entfernung des Battery-Packs im Koffer. Kleinere Gegenstände mit geringeren Akkuvolumina, wie z.B. ein Rasierapparat oder die elektrische Zahnbürste, können ohne Probleme im Aufgabegepäck verstaut werden. Persönlich versuche ich immer die elektronischen Gegenstände im Handgepäck zu haben, da es hier in der Regeln nicht zum Gepäckverlust kommen kann.

6. Was sind die Nachteile des Packsystems?

Der größte Nachteil sind die Kosten der Erstanschaffung für die Packtaschen. Hier ist man schnell im Bereich von 100 bis 200 Euro wenn man auf Markenwaren für die Packtaschen wie Eagle Creek oder Rimowa für Kleiderbeutel setzt. Ein kleinerer Nachteil ist die Waschbarkeit, oftmals sind die Taschen nur als Handwäsche deklariert, bisher haben jedoch alle meiner Packtaschen auch die Wäsche mit 30 Grad überstanden. 

7. Haltbarkeit der Packtaschen

Die Haltbarkeit der Packtaschen war bisher nach mehrjähriger und wöchentlicher Nutzung bisher kein Problem, ich habe noch keine ausgerissene Naht oder kaputte Reisverschlüsse – das gilt zumindest für die Eagle Creek Produkte. Bei den Wäschetaschen von Rimowa habe ich bisher bei fast allen Auflösungserscheinungen an den Nähten feststellen müssen, diese können jedoch neu vernäht werden. 

8. Mitnahme von Flüssigkeiten oder Badprodukten (Shampoos etc.)

Nach Möglichkeit sollte auf die Mitnahme von Reiseshampoos etc. verzichtet werden, da in jedem vernünftigen Hotel Shampoos angeboten werden. Weiter findet man selbst in Entwicklungsländern europäische Produkte falls man den einheimischen im Hotel nicht traut. Erfahrungsgemäß sind diese auch nicht wesentlich teuerer als in Deutschland, und die 5 Euro Mehrkosten überwiegen nicht den Aufwand vor Ort einen Koffer mit geplatzter Shampooflasche nach 15 Stunden Flug zu reinigen… 

Sollte es sich dennoch nicht vermeiden lassen bestimmte Flüssigkeiten mitzunehmen, empfiehlt es sich diese in kleine transparente Flaschen abzufüllen und nochmals in einer handgepäckstauglichen transparenten Tasche zu verpacken. Selbst wenn die Fläschchen nicht ins Handgepäck kommen, besteht hier ein zusätzlicher Schutz gegen das Auslaufen z.B. der Shampooflasche. Die transparente Tasche wird dann in der Mitte des aufgeklappten Koffers zwischen zwei Packtaschen so platziert, dass genügend Raum für Verformungen des Koffers ist. 

9. Mitnahme und verpacken von Weinflachen oder anderen Alkoholika

Wenn man in Südafrika einen guten Wein entdeckt hat, oder in Süditalien ein gutes Olivenöl möchte man die Neuerwerbung natürlich auch wieder sicher nach Deutschland zurückbringen. Generell ist die Mitnahme von Weinflaschen im Aufgabegepäck unproblematisch. Der Druckunterschied macht den Flaschen im Flugzeug nichts aus,  Beschädigungen entstehen hauptsächlich durch Fehler beim Koffer packen. 

Um kaputte Weinflaschen und weingetränkte Kleidung im Koffer zu vermeiden packt man die Flaschen am besten wie folgt für den Flug ein:

      1. Jede Flasche wird zuerst Küchenpapier, dann in ein oder mehrere Plastiktüten eingewickelt. Diese sollten möglichst aus dickerem Plastik bestehen.
      2. Jede Flasche wird separat in Kleidung eingewickelt
      3. Zwischen den Flaschen wird eine Packtasche oder mehrere Kleidungsstücke platziert (mind. 5 cm!)
      4. Die Taschen werden in die Koffermitte gepackt, zu jeder Seite des Koffers sollte mind 3-5 cm Kleidung oder Verpackungsmaterial sein um Stöße zu absorbieren
      5. Es werden keine scharfkantigen Gegenstände neben den Taschen im Koffer eingepackt

Nach dem Einpacken wird der Koffer geschlossen, durchgeschüttelt und wieder geöffnet um festzustellen ob sich die Flaschen bewegt haben. Bei festem Sitz spricht in der Regel nichts gegen die Mitnahme. 

 

Wenn es doch schief geht…

Sollte wider Erwarten doch eine Flasche zerstört werden, sorgt die Plastikverpackung um die Flasche dafür dass sich die kleinen Glasteile nicht überall im Koffer befinden. Mir selbst ist in den letzten 10 Jahren während aller Reisen nur eine Flasche kaputt gegangen, diese war zu nah an einer anderen eingepackt. Der Schaden hielt sich im Koffer in Grenzen: Das Küchenpapier saugte einen Großteil der Flüssigkeit auf und die Plastikverpackung begrenzte den Schaden an den andern Gegenständen – es war in der Plastiktüte noch 2-300ml Wein welcher sonst durch den Koffer geflossen wäre.

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