Reiseequipment: Kameraauswahl

Reisefotografie war früher wichtig um fremde Länder, Menschen, deren Kultur sowie die Schönheit der Natur zu dokumentieren. Heute geht es stärker darum die eigenen Erlebnisse festzuhalten und mit Freunden z.B. auf Instagram zu teilen. Das wirft natürlich die Frage auf wie man zukünftig Reisefotografie betreibt, und ob überhaupt mehr als ein Smartphone dazu notwendig ist. 

Dieser Artikel erklärt in Kurzform die Unterschiede zwischen spiegellosen Systemkameras und Spiegelreflexkameras, und beantwortet die Frage des idealen Kaufzeitpunktes.

Brauche ich überhaupt eine Kamera oder reicht das iPhone?

Aktuelle Smartphones wie das iPhone 11 bieten von Haus aus bereits Ultraweitwinkel, Weitwinkel und Teleobjektiv an, mit f2.4 Blende und 12 Megapixel Auflösung. Für kleinere Schnappschüsse oder Instagram-Fotos welche sowieso mit verminderter Bildschirmauflösung darangeben werden ist eine Handykamera erstmal ausreichend. Speziell bei Tag und guter Beleuchtung gelingen Landschaftsaufnahmen oder Portraits sehr gut, im Vergleich zu einer richtigen Kamera fehlt natürlich die Tiefe. Für schärfere Bilder, gute Darstellung der Farben auch bei lichtarmen Motiven und Nachtaufnahmen, Aufnahmen von Details oder das Herausstellen von Motiven führt meiner Ansicht nach kein Weg an einer Spiegelreflexkamera vorbei. 

Digitale Spiegelreflex oder spiegelloses System?

Technischer Unterschied

Die zweite Frage welche in diesem Zusammenhang oft gestellt wird ist die Wahl des Kameratyps. Auf der einen Seite die klassischen Spiegelreflexkameras (DSLR) welche es auch als Einsteigermodelle (z.B. Canon EOS 2000D) günstig zu haben gibt, auf der anderen Seite neue spiegellose Systemkameras (DSLM) mit Wechselobjektiv (z.B. Canon EOS RP).

Der Hauptunterschied besteht im Aufbau im inneren der Kamera, bei einer DSLR wird das Bild optisch über einen Spiegel auf den Sucher umgelenkt. Im Auslösemoment klappt der Spiegel nach oben und das Licht trifft auf den Sensor welcher dann das Foto aufnimmt, das ‚klacken‘ der DSLR ist die Bewegung es Spiegels. Bei einer DSLM entfällt die komplexe Spiegelmechanik und das Licht trifft direkt auf den Sensor. Bei Verwendung des gleichen Sensors wären die Kameras somit erstmal qualitativ gleich. Der Hauptunterschied besteht im Sucher, bei einer Spiegelreflex sieht der Fotograf im Sucher das tatsächliche Bild und die Lichteinstrahlung, da es durch den Spiegel auf den Sucher umgelenkt ist. Bei der DSLM wird das Bild auf einem kleinen Monitor, dem Electronic Viewfinder dargestellt. Dies ist Ähnlich der Darstellung auf dem Display auf der DSLR wenn man diese auf den Displaymodus umschaltet.

DSLM: Was spricht dafür?

DLSM bieten durch den Entfall der Spiegelmechanik insbesondere den Vorteil von schnelleren Verschlusszeiten. Weiter sind dies DSLM aufgrund der geringeren Mechanik weniger störanfällig, Probleme wie Staub auf dem Spiegel entfallen. Der Entfall des Spiegels sowie der notwendigen Mechanik wirkt sich auch positiv auf das Gewicht der Kamera aus, der Body einer Canon EOS RP wiegt inkl. Akku 485g. Im Vergleich dazu die EOS 800D 532g, die EOS 90D 710g.

Für DSLM gibt es z.B. bei Canon mittlerweile eine große Anzahl an Objektiven. Das Sortiment für DSLM Objektive wird laufend erweitert, das DSLR derzeit nicht weiterentwickelt. Ein weiterer Pluspunkt ist dass sich die bisherigen Objektive mit einem Adapter an der DSLM weiterverwenden lassen können. Bei Canon geschieht dies über den Bajonettadapter von EF-S und EF nach EOS R, andere Hersteller bieten ähnliche Adapter für Ihre Syteme an. Somit ist es möglich zu geringen Kosten den Body von DSLR auf DSLM umzustellen und gleichzeitig den Rest der Ausrüstung weiter zu verwenden, was deutlich günstiger als ein Systemwechsel ist.

DSLR: Was spricht dafür?

Der optische Sucher der DSLR ist bei sich schnell bewegenden Motiven oder sich schnell verändernden Lichtverhältnissen klar im Vorteil gegenüber einem elektronischen Sucher. Dies liegt an der schnelleren Berechnung der Fokuspunkte  und der schnelleren Scharfstellung der Motive. Dies geschieht durch einen Phasendetektor welcher unter dem Spiegel montiert ist. Daher setzen Sportfotografen weiterhin auf DSLR, während z.B. bei Portraitfotografen oder Landschaftsfotografen DSLM im Trend sind. Der Unterschied zeigt sich klar im Livemodus der DSLR, da diese dann wie eine DSLM agiert.

Neben der schnellen Fokussierung ist ein weiterer Vorteil die breite Verfügbarkeit von Objektiven, sowie dem großen Zweitmarkt / Gebrauchtmarkt. Oftmals finden sich Ausstellungsstücke mit 30-40% unter UVP und voller Garantie. 

Der dritte Punkt welcher für DSLRs spricht ist die Akkulaufzeit. Bei ausgeschaltetem oder eingeklappten Display sind teils über eintausend Aufnahmen mit einer Akkuladung möglich, während bei einer DSLM es nur 200-400 Aufnahmen sind. Das klingt erstmal für einen Hobbyfotografen ausreichend – da man aber in der Regel beim Sightseeing die Kamera die ganze Zeit eingeschaltet hat und nur gelegentlich eine Aufnahme macht wird bei einer DSLM oftmals ein zweiter Akku benötigt um den ganzen Tag Bilder machen zu können. Für meine DSLR habe ich einen zweiten Akku, welchen ich aber noch nie innerhalb eines Tages tauschen musste.

Fazit

Beide Systeme bieten Vor- und Nachteile, wobei DSLR/DSLM für ambitionierte Hobbyfotografen keine größeren Qualitätsunterschiede ausweisen. Feinheiten wie schnellere Auslösezeiten bei der DSLM sowie das geringere Gewicht waren für mich bei der Kaufentscheidung nicht wichtig. Ich persönlich lege Wert auf „Value for Money“, der meiner Ansicht nach bei DSLRs deutlich besser ist:

 

        • Größeres Marktvolumen an verfügbaren Modellen und Objektiven 
        • Größere Nachfrage auf dem Zweitmarkt (Gebrauchtgeräte) sichern stabile Preise
        • Neupreise teilweise stark unter Druck durch Preisaktionen und Bundles (Body + Kit)

Jetzt stellt sich die Frage wie stabile Preise und hohe Rabatte zusammenpassen – was ich nachfolgend erläutere. 

Der beste Kaufzeitpunkt

Generell verläuft der Marktpreis im Bereich der DSLR grob 10-15% unter der jeweiligen OVP Empfehlung des Herstellers. Im Laufe der Zeit sinkt dieser Preis weiter bis auf in der Regel 20-25% der Preisempfehlung, wobei sich das Produkt im Laufe des Zeitraumes durch andere Bundles (mit diverse Kit-Objektiven) wandelt. Anfangs sind meist einfache Kit-Objektive zu erhalten, später gibt es zum gleichen Preis bessere Objektive mit Bildstabilisator zum gleichen Preis. 

Um den besten Kaufzeitpunkt zu kennen sollte man die wesentlichen Punkte des Preisverlaufes kennen.

An Punkt 1 ist das Produkt bereits mehrere Monate im Markt, jedoch starker Konkurrenz z.B. von DSLM Modellen ausgesetzt. Es existiert noch kein wesentlicher Zweitmarkt und es kommt zu einem starken und nachhaltigem Preisrutsch. 

Mit leichter Verzögerung zum ersten Preisrutsch (2-5 Monate) bildet sich an Punkt 2 ein nennenswerter Zweitmarkt. Dieser verläuft anfänglich parallel zum Hauptmarkt, bildet später aber eine Eigendynamik welche vollständig vom Hauptmarkt entkoppelt ist – Punkt 3. An diesem Punkt wird der Kauf interessant, er befindet sich ungefähr 12-16 Monate nach Markteinführung, und der Produktpreis bleibt während der nächsten 12-24 Monate auf dem Zweitmarkt stabil.  Der Produktlebenszyklus im Bereich der DSLR ist üblicherweise 24-36 Monate, wobei die Neuerungen bis auf die Sensorik und Minimalist verbesserte Chips gering ausfallen. 

Im weiteren Verlauf gibt es im Handel Preisaktionen, z.B. zu Weihnachten bei welchen weitere Nachlässe auf den Marktpreis von 10-25 % möglich sind. Hier gibt es die Konstellation dass der Markpreis niedriger ist als der Zweitmarktpreis (Punkt 4). Dies war z.B. im Dezember 2019 der Fall, als die EOS2000D und 250D mit 20% Gewinnmarge bei Saturn erhältlich war und sofort auf Ebay Kleinanzeigen weiterverkauft wurde. 

Richtung End of Life oder nach End of Life gibt es oftmals bei Händlern Restbestände, welche unter den aktuellen Zweitmarktpreisen angeboten werden (Punkt 5).

Eigene Erfahrung: Meine erste DSLR habe ich 2015 ungefähr an Punkt 3 der Grafik erworben und Ende 2019 mit 10% Verlust nach vier Jahren wieder verkauft.