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Flugzeugträger ‚Minsk‘ / Shenzhen

Flugzeugträger kennt man sonst nur aus Dokumentation oder Kriegsfilmen. Live bzw. im echten Leben bekommt man die maritimen Kolosse normal nicht zu sehen, und die Möglichkeit einen Flugzeugträger selbst zu erkunden haben nur ausgewählte Personen. 

In Shenzhen steht der ehemalige russische Flugzeugträger mit dem Namen „Minsk“ der Kiew-Klasse. Der Träger wurde 1978 in Dienst gestellt und nach 25 Jahren der Verwendung und einem verheerenden Brandschaden im Jahre 1993 ausgemustert. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sowie der schwierigen wirtschaftlichen Lage Russlands wurde der Träger statt diesen zu sanieren entmilitarisiert und verkauft, und fand über Umwege seinen Platz im Militärmusik „Minks“ in Shenzhen. 

Flugzeugträger Minsk, aufgrund seine 273 Meter Länge in drei Teilen abfotografiert

Der Bauch des Flugzeugträgers: Hangars

Über eine lange Stahltreppe gelangt man vom Pier in das Innere des Trägers. Bereits beim betreten hat man Ehrfurcht vor den Größendimensionen: 273 Meter Länge, über 11 Meter Tiefgang und einer Flugdeckbreite von über 50 Metern.

Im inneren des Flugzeugträgers führt der Rundweg erst durch diverse Hangarhallen, in welchen Teils Unterhaltungsshows aufgeführt werden. 

Neben den, für den europäischen Geschmack, kritischen Shows sin diverse Flugzeuge ausgestellt und Souvenirs erhältlich. 

Die Reise erfolgt weiter ins Innere des Flugzeugträgers. Als nächstes findet sich eine Ausstellung von verschiedenen Bomben mit welchen die Kampfflugzeuge für Ihren Einsatz ausgerüstet wurden. Die Hangars im Bauch des Trägers sind riesig, sehr schlecht ausgeleuchtet und geben dem Betrachter ein beklemmendes Gefühl.

Folgt man weiter dem Rundkurs über den Träger, geht es immer weiter in den Bauch. Es folgen gefühlt endlos und hunderte Quadratmeter große Räume, in denen dann teilweise nur ein einziger Torpedo ausgestellt ist.

Der Weg geht führt weiter bis zu den Torpedoausstoßrohren, welche für den Selbstverteidigungsfall des Flugzeugträgers notwendig waren. Auch hier sind weitere Originaltorpedos ausgestellt. Man kann bis auf 1-2 Meter an die Torpedos sowie die Torpedoschächte herankommen. Die Beleuchtung wird immer schummeriger.

Das Flugdeck des Flugzeugträgers

Lange und rostige Treppen führen steil nach oben auf das Deck des Trägers. Der erste Eindruck ist irre – das Deck ist deutlich größer als man es sich aus Dokumentation usw. vorstellen kann. Man steht gefühlt auf einem Fussballplatz mitten auf dem Meer. Das Flugdeck befindet sich auf der linken Seite (Backbord) des Trägers, auf der rechten Seite (Steuerbord) befindet sich der Turm welcher die Leittechnik etc. beinhaltet. Im vorderen Teil (Bug des Trägers) finden sich weitere Geschützstände. 

Flugzeug auf dem Flugdeck des Trägers mit Museumsangestellter

Das Flugfeld kann komplett betreten werden, es stehen mehrere Flugzeuge zur Besichtigung bereit. Über Leitern ist es teilweise möglich das Innere der Flugzeuge anzusehen. Es handelt sich hierbei um alte russische Maschinen. 

Neben Flugzeugen sind auch einige eher weniger als mehr gut erhaltene Helikopter zu besichtigen, in abenteuerlicher gelb/grüner Tarn- oder Signalfarbe. Der Zahn der Zeit und die hohe Luftfeuchtigkeit sowie der Salzgehalt nagt stark an der Lackierung.

Flugfeld mit Start/Landebahn

Der Rundgang führt weiter in den vorderen Teil des Trägers. Hier können Boden-Luft Raketen und weitere Geschütze besichtigt werden. Der Turm des Flugzeugträgers ist aus der Nähe noch spektakulärer, er entspricht einem mehrgeschossigen Gebäude.

Der Turm kann zum Teil besichtigt werden. Der Zustand speziell im Turm ist sehr schlecht. Das Schiff ist durchrostet, und es befinden sich überall noch starke Brandspuren. Es wurde als für den Tourismus nicht wesentlich aufbereitet. 

Die Brücke des Flugzeugträgers – Kontrollzentrum auf hoher See

Im Turm befinden sich an oberster Stelle die Brücke, die ehemalige Kommandozentrale des Trägers. Für den nicht maritimen Spezialisten wie mich ist es in diesem Moment aufgrund der vielen Gerätschaften und tausenden Knöpfen unklar ob man sich auf einem Schiff, oder nicht doch in dem Kontrollraum eines Atomkraftwerkes befindet. 

Ein weiteres Highlight ist der Sitz des Kapitäns: Eine schmale Stahlkonstruktion vor einem kleinen Lenkrad. Unvorstellbar dass dieser Koloss mit seinen über 30.000 Tonnen Verdrängung nur mit dem kleinen Lenkrad gesteuert werden kann. Auch aus ergonomischen Gesichtspunkten ist schwer zu glauben dass von hier aus Einsätze gesteuert wurden. 

Zurück im Bauch: Kajüten und Offiziersmesse

Beim Weg durch die Kajüten fällt ein starkes Hierarchiegefälle auf. Die Kabinen reichen von super luxuriös für damalige Verhältnisse bis regelrechten Zellen. Deutsche Strafgefangene verfügen mit Sicherheit über komfortablere Unterkünfte als Soldaten des Flugzeugträgers. Ähnliches konnte man auch im maritimen Museum in Tallinn beobachten…

Die Konferenzraum ist luxuriös mit dunklem Holz und Ledermobiliar eingerichtet, bis auf die Wasserdichten Eingangstüren erinnert nichts daran dass er sich auf einem Schiff befindet.

Die Kajüte des Kapitäns ist deutlich größer als übliche Studentenapartments in Deutschland. Die Kabine ist in zwei Teile geteilt, der erste Raum widmet sich der Arbeit: Vor einer Schrankwand mit Büchern steht ein massiver Holzschreibtisch, an der Wand hängt ein Bild von Josef Stalin. Weiter steht ein großes schweres Ledersofa im Raum und ein hölzerner Globus (Rum-Lager? ;-))

Im zweiten Raum befindet sich das Schlafgemach des Kapitäns, ca. doppelt so breit wie das der Crew. Daneben die Toilette, sowie eine eigene Dusche.

Von der Kajüte des Kapitäns aus können weitere Räume wie die des ersten Maats sowie einiger Crew-Mitglieder besichtigt werden. Die Räume sind jedoch teils in sehr schlechtem Zustand.

Weitere Waffenkammern sowie Anker

Von den Kajüten aus erlangt man zu weiteren Waffen- und Munitionsdepots Zugang. Dies sind wieder Räume mit hunderten Quadratmeter Größe, spärlich beleuchtet und voller Munition.

Die einzelnen Geschütze sehen stark nach Originalzustand aus, sie sind alle in den jeweiligen Halterung festgeschweisst worden. 

Ob sich jemand die Mühe gemacht hat die tausende Gefechtsköpfe alle zu öffnen, ent-munitionisieren bzw. entschärfen, und nachher wieder fein säuberlich in tausende Halterung zu stecken bleibt der Interpretation des Touristen überlassen. 

Die Tour endet auf einem Zwischendeck, in welchem der Anker sowie die Taue zur Befestigung des Flugzeugträgers gelagert werden. Der Anker wiegt selbst 15 Tonnen und ist aus massivem Stahl. Zusammen mit der Ankerkette wiegt er ca. 20 Tonnen, die Kette selbst ist 2 Kilometer lang. Die Kettenglieder der Ankerkette haben ungefähr den Umfang eines männlichen Unterarmes.

Weitere Attraktionen in der „Minsk World“ in Shenzhen

Neben der Hauptattraktion des Flugzeugträgers gibt es weitere kleinere Sightseeing-Spots. Es sind unter anderem historische Wachtürme zu besichtigen, wie es sie auch in Vietnam gegeben hat. 

Weiter gibt es, was selbstverständlich für solche Parks ist, heroische Kriegerstatuen eingebunden als Gegensatz zu harmonisch begrünten Parklandschaften. Weiter finden sich Statuen in Form von Wasserspielen sowie diverse militärische Geschütze. Es sind unter anderem Raketenabschussrampen sowie Flugabwehrgeschütze zu besichtigen. Daneben gibt es noch weitere Hubschrauber und Kampfflugzeuge, jedoch ist der Zustand hier bedeutend schlechter als bei den Flugzeugen auf dem Flugdeck. 

Heutige Situation des Parks

Der Park wurde im Jahr 2016 für die Öffentlichkeit geschlossen. Der Flugzeugträger liegt heute (lt. Internet) in Zhoushan und soll später in einem anderen Themenpark ausgestellt werden. 

Inwiefern der morbide Charm des Trägers nach der Wiederinstandsetzung erhalten bleibt (Brandschäden, etc.) wird sich zeigen. Zum Zeitpunkt meiner Aufnahmen 2009 sah der Träger aus als wäre er erst einen Tag vorher verlassen worden. 

Da für mich der Flugzeugträger ein „must see“ ist, habe ich den Blogbeitrag erstellt damit er weiter im Hinterkopf der China-Reisenden bleibt.